Oktober 2, 2003

Heute ist Snofrisk-Ziegen-Tag 

Im allgemeinen steht die deutsche Sprache international ja eher nicht besonders hoch im Kurs. Aber, Ausnahmen bestätigen die Regel. Was auch immer dieser Satz bedeuten mag, er erscheint mir an dieser Stelle richtig angewendet, denn: Einzelne Worte seien angeblich so präzise und einzigartig, dass sie es Wert sind als Lehnwörter zu dienen. Rucksack, Kindergarten und so. Das sind die Beispiele, die allen einfallen, besonders aber denjenigen, denen auch dauernd einfällt, dass die Eskimos 230 Fantastilliarden Worte für Schnee haben (weil Sprache sich entsprechend der jeweiligen Lebenswelt herausbildet), dass ungarisch und finnisch ganz arg schwer zu lernen sind (weil sie keine romanischen, sondern finougrische Sprachen sind) und dass ja fast einmal deutsch die Amtsprache in den Vereinigten Staaten von Amerika geworden wäre (wenn die deutschen Migranten damals nicht die Volksabstimmung verloren hätten). Schnarch. Wo wir gerade beim Thema sind: Finden Sie bitte heraus, warum das Wort Schnarchzapfen den Weg des Rucksacks noch nicht gegangen ist. Bitte notieren Sie sich auf einen post-it Zettel und kleben ihn an die Küchentür, damit Sie die Aufgabe nicht vergessen.

Es gibt aber auch Worte, die nur denjenigen einfallen, die sich etwas auf Ihre Intellektualität einbilden. Ich sage nur: Weltschmerz. Ha! Jawohl, die Dame, Mhm, der Herr. Auch für Weltschmerz gibt es kein Pendant zum Beispiel in der englischen Sprache. Zum Beispiel deshalb, weil ein kleines Restrisiko besteht, dass vielleicht doch die französische Sprache oder die spanische Sprache oder die russische Sprache oder die japanische Sprache ... – setzen Sie den Satz beliebig lang fort und beenden ihn dann gerne selbst, ich spende noch einen Punkt und ein ausgefallenes Prädikat – aufweist. Weltschmerz also. Da schwingt doch allerhand mit. Eine Prise „Der Himmel ist mit dunklen Wolken verhangen“, ein wenig „umherliegen und keine Lust auf gar nichts haben“, ein bisschen „DAS HAT DOCH ALLES KEINEN SINN. IN 15 Jahren ist unser blauer Planet vollkommen zerstört.“ Damit dürfte die landläufige Vorstellung von Weltschmerz erschöpfend behandelt sein.

Es gibt aber auch das Gegenteil. Aus dem Nichts steigt ein Kichern den Hals hinauf. Oder man singt und tanzt irgendwie wild herum, hat alle Leute gern und so. Obwohl eigentlich gestern nichts anders war und die Vögel die mich heute morgen in Koproduktion mit dem ersten Sonnenstrahl durch ihre klitzekleinen fröhlichen Vogelstimmchen weckten gestern noch gebrüllt hatten wie am Spieß. Für mich haben solche Tage einen Namen: Snofrisk-Ziegen-Tag. Snofrisk ist Hüttenkäse oder so. Auf der Verpackung abgebildet ist das freundlichste Zicklein das man sich vorstellen kann. Und dann dieser Name. Snofrisk. Wie der morgendliche Tau auf den Wiesen. Wie der Sonnenstrahl auf der Bergkuppe. Wie ach was weiß ich denn… Hihi... heute ist auf jeden Fall Snofrisk-Ziegen-Tag. Es spricht zumindest alles dafür. Buarchahaha. Pfrrrmhahaha. Chuhuhu.

[jos]

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