Oktober 8, 2003

Nachtrag zu Rolltreppen sind Todesfallen 

Zufaellig bin ich mit einer Gruessbekanntschaft ins Plaudern geraten. Wie mir diese berichtete, faende in unserer gemeinsamen Wohnstadt eine Entschleunigung der Rolltreppen statt. Ich werde dem Nachgehen.

[jos]

Rolltreppen sind Todesfallen - fast immer, oder doch recht häufig 

Wenn Herr Gold feststellt, dass Rolltreppen, sowohl in rollendem, wie in stehendem Aggregatszustand, die Hauptcharakteristika von Treppen erfüllen, dann muss ich Ihm da beipflichten. Stufen haben beide und beide ermöglichen die Überwindung von Höhendifferenzen. Im Fall der Rolltreppe zwar in passiverer Weise als in jenem der Standarttreppe, aber - jaja - geht schon.

Was Herr Gold vergessen hat zu erwähnen sind die Unterschiede zwischen gewöhnlichen und Rolltreppen. Letztere verwandeln sich nämlich stehend in Stolperfallen erster Kajüte. Das liegt wohl daran, dass Rolltreppen zum Rollen bestimmt sind. Auch optisch. Das Material jedoch eignet sich überhaupt nicht zum besteigen von Anhöhen, noch weniger sogar für deren Abstieg. Poliertes Metall zu beklettern sieht keine Schuhmode vor. Mit Ledersohlen erst, oder gar in Schuhen wie sie Damen bisweilen zu tragen pflegen. Ojemine ist - obschon als Ausruf leider etwas in Vergessenheit geraten - ein recht treffendes Gedanke für jene Situation.

Sogar noch etwas verschärft wird diese (die Situation), wenn Feuchtigkeit oder ihre grosse Schwester, die Nässe ins Spiel kommen. Metall, blank, nass. Eine Reihe wie Zucchini, Hölle und Verdammnis. Möglicherweise ist diese Reihung aber auch etwas weit hergeholt. Möglicherweise wiederum sagen nur zögerliche Zausel. Man zeige mir denjenigen, der einer sein will. Ich jedenfalls nicht.

Beim Draufkucken sehen stehende Rolltreppen jedenfalls so aus, als würde es jeden Moment doch losgehen. Reflexartig zuckt der Roller zusammen und erwartet eine Bewegung die nicht kommt. Dann ist die Gefahr groß. Die Aussenwelt scheint still zu stehen, während in der Innenwelt (Innenohr --> Gleichgewichtssinn etc) Halligalli und Kreuzberger Nächte sind lang und so ist. Das kann ziemlich wackelig werden.

Man erwartet also eine Bewegung die nicht kommt. Und manchmal dann doch kommt. Eine Laune der Konstrukteure sieht aus allerehrenwerten Engergiespargründen vor, dass manche Rolltreppen erst bei Belastung losgehen, sich ansonsten aber in einer Art Dämmerschlaf befinden. Aufwachen ist zwar möglich, aber nur verzögert. Erwartet ein Begeher dann dass die Rolltreppe erwacht, hält sich fest und stellt dann enttäuscht fest, dass sie wohl nicht funktioniert, ruckt die Treppe just in diesem Moment an, wenn die Entspannung am größten ist. Das End vom Lied: Die Treppe wird zur Todesfalle.

Eine weitere Laune der Konstrukteure sieht aus vollkommen niedrigen Beweggründen vor, dass manche Rolltreppen ständig kaputt sind. Die Reihenfolge ist dann: Freu freu, nicht laufen müssen. Festhalten und verkrampfen, weil die Treppe ja losgehen könnte. Entspannen, weil sie nicht losgegangen ist. Verkrampfen, weil man aus Erfahrung weiß, dass sie doch noch losgehen könnte. Wieder entspannen, weil die Treppe noch steht. Ziemlich zittrig in die Tiefe staksen, eine Hand dabei stets am Handlauf. Nach drei vier Stufen "festfrieren" wie die Bergsteiger sagen, um nach Nervenzusammenbruch und Heulkrampf schließlich durch die Rudolf-Steiner Gedächtnisbergwacht per Hubschrauber ausgeflogen zu werden. "Na, ein Gkück“, denkt sich der Abtransportierte, "daß ich immer so schön fleißig gespendet habe, wenn mir die Retter am Supermarkt aufgelauert haben".

[jos]

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