Oktober 23, 2003

Ungern möchte ich angeben, aber neulich [...]  

Also neulich ist mir etwas aufgefallen woraus ich auch fix einen Satz zusammenschraubte, der, obwohl einprägsam, bei längerem Nachdenken leider kaum noch mit der Ausgangssituation in Verbindung zu bringen ist. Der Satz lautet: „Der gelbe Sack ist jedermannes Payback-Karte“. Also wenn das kein Pfund von einem Satz ist, weiß ich auch nicht. Dabei gedacht habe ich mir folgendes: Die fiesen Marketingstrategen (Iiiii Marketingstrategen) großer Konzerne (Iiii, Konzerne) haben sich zur besseren Kundenbindung die Payback-Karte einfallen lassen.

Mithilfe dieser werden Kunden dazu gezwungen immer wieder im gleichen Laden einzukaufen, weil Ihnen erstens nur noch zwei Punkte zum Topchecker-Toaster fehlen und sie zweitens über die Aufzeichnungen Ihres Konsumverhaltens durch die Nutzung der Payback-Karte ganz spezifisch umworben werden können. Soweit klar? Also weiter: Ein solches Konsumverhalten lässt sich auch – und jetzt halten Sie sich fest – auf Basis des Inhaltes eines gelben Sacks ermitteln.

Nichts besonderes? Kalter Kaffee? Sind Sie schon selbst draufgekommen? Schon recht. Aber trotzdem hab ich den Satz gedacht. Als kleine Anekdote fällt mit dann auch noch ein, dass mich mein Weg zur Müllabholungszeit an einer katholischen Kirche vorbeiführte und die dort aufgestapelten gelben Säcke nichts als heruntergebrannte „ewige Lichter“ enthielten. Wenn ich einen Foto dabeigehabt hätte beziehungsweise überhaupt einen Foto hätte, dann hätt ich ein Foto gemacht. Dann könnte ich beweisen, dass ich mir das nicht nur ausgedacht habe. So muss eine Zeichung genügen. Okeh, die Vögel hab ich dazu erfunden, aber ansonsten war es genau so.
Ein berühmter Mann hat einmal gesagt: "Aphorismen zu Beginn von Texten, Reden, Vorträgen und ähnlich gemeinten Meldungen, sind total für die Katze". Vermutlich habe das doch bloß ich gesagt. Deshalb wird es aber nicht weniger wahr.

Oktober 22, 2003

s'Textle 

Wenn Einzelhändler und Dienstleister ’s Schnäpple und ’s Kopierlädle heissen, dann ist das nicht putzig, sondern voll Scheisse. Auf beunruhigend deutliche Weise fühle ich mich dann beleidigt. Was denken sich die Texter von „Mir könnat älles außer hochdeutsch“? Dass Kehrwoche und Sparzwang liebenswerte Eigenheiten der Schwaben sind und deshalb nur versehentlich von allen anderen Menschen als abschrecke Synonyme für Piefigkeit verwendet werden? Mit Vorurteilen kann man leben, aber doch besser, wenn sie sich abbauen und nicht das Gegenteil. Warum also Besucher verprellen. Oder schlimmer noch, in ihren Annahmen bestätigen, „die Schwaben haben doch alle eine Meise unter dem Pony, bloß schnell weg hier und ins liberale Köln, da fühl ich mich sicher und warm.“ Und erst die Badener. Nicht genug, dass die sich beständig von den Württembergern unterdrückt fühlen. Nein, nein, nein, man muss Ihnen auch noch zeigen wie stolz man auf all diese Eigenschaften ist, die sie verachten. Die haben ein Lied und wir ’s Schnäpple. Würg!

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