November 13, 2003

Wendy für Erwachsene 

Ich habe da etwas läuten hören, ich bekäme bald ein Pony geschenkt. Da ich glaube, dass auch Pferde gerne Gesellschaft haben, lade ich hiermit alle zum Tee ein. Wir können uns dann gepflegt mit Abraxas (dem Pony) unterhalten, kleine Butterkekschen essen und über neue Musicals und Wellness-Urlaube fachsimpeln. Heissapopeissa, das wird toll. Sporen, Salami und Fohlenfuß-Briefbeschwerer bleiben dann aber bitte zu Hause.

Nachtrag zu Nachtrag zu Liedgut das die Welt nicht braucht 

Das Buch ist unauffindbar. Dabei stand es immer zwischen English for Runaways und Noch mehr Häschenwitze.

Nachtrag zu Liedgut das das Welt nicht braucht 

Übrigens habe ich die falsch verstandene Textzeile „Gwant hama mehra“ = „Guantanamera“, die wohl jemand Axel Hacke für seine Kolumne im SZ-Magazin geschickt hat, bereits 1987 im Buch „Beim nächsten Gongschlag ist es 6 Mark 20“ gelesen. Das Buch hieß zumindest so ähnlich und ist nach einem Vorfall benannt, wo ein Radiosprecher statt der Uhrzeit seinen Geldbeutelstand verkündete. Darin waren noch viele weitere Versprecher und Missverständnisse zusammengetragen, die ich demnächst auch Herrn Hacke schicken werde.

Liedgut das das Welt nicht braucht 

Während alle Welt das neue Hobby hat, Zeilen aus Liedern zu sammeln, die jahrelang falsch verstanden wurden, ist nun mein Hobby, Liedzeilen zu sammeln, die mir von Zeit zu Zeit, vollkommen ohne Bezug durch den Kopf gehen. Dabei handelt es sich um Zeilen, die ich singen könnte, wenn ich singen könnte, aber keine Ahnung habe, wie die Worte zuvor und hernach lauten. Das geht so: Sie trägt nen roten Mini-Rock, Mini-Rock – und sie ist immer nett zu mir – manchmal bescheißt sie mit dem Wechselgeld, Wechselgeld – sie ist das Mädchen von Kasse vier! Spitze oder? Oder: Rockahula, Rock- Rock-a-hula, Rock-a-hula, Rock- Rock-a-hula. Oder: Non, rien de rien, non, je ne regrette rien. Ni le bien, ni le mal. Und irgendwo kommt dann egal. Was mache ich mit Wissen wie diesem? Wäre es nicht gut, diesen Teil meines Gehirns mit dem großen Einmaleins zu füllen, das ich noch immer nicht beherrsche? Möglicherweise bekomme ich die Zeilen aus dem Kopf, indem ich sie aufschreibe. Es werden also nun in loser Folge weitere Zeilen folgen. There`s a light, over at the Frankenstein place, there`s a lihihihihihihihight, burning in the fireplace... Nasenringe aus Phosphor…

Kackfrosch 

Heute wollte ich einen plattgefahrenen Frosch näher begutachten, stellte dann aber !leider! fest, dass es sich doch nur um plattgefahrene Tierfäkalien handelte. Da war ich bereits ziemlich nah’ an das Objekt herangekommen, fand mich sogar schon in leicht gebückter Haltung. Wenn mich jemand dabei gesehen hat, ist wohl jetzt mein Ruf am Arsch.

Toilettenetikette 

Was ist die adäquate Reaktion, wenn man einen Bekannten auf einer öffentlichen Toilette trifft? Ich kann da nicht so tun, als wäre das ganz normal. Wo soll ich hinschauen? Wohin hören?

Stock über Hund 

Eine ziemlich unangenehme Stimme zwang mich neulich den Blick aus der Zeitung zu nehmen. Beim Warten an der Bushaltestelle, keifte sie ?Na toll, wenn der jetzt kaputt ist!? Ziemlich fiese, ziemlich unsexy voice dachte ich so bei mir. Begriff aber ziemlich schnell, wie unpassend meine Gedanken waren. Da hatte tatsächlich ein RÜCKWÄRTS auf dem BÜRGERSTEIG fahrender Handwerker, einer gerade um eine Hausecke biegenden Blinden den Stock aus der Hand gefahren. Was wenn der Stock ein Hund gewesen wäre? Sowas passiert nur einmal in hundert Jahren. Zumindest hoffe ich das. Eine zu Recht ziemlich aufgebrachte Stimme, dachte ich, als ich weiterlas.

Werbung ne Logik 

Neuerdings prangen in meiner Wohnstadt an Litfasssäulen Labello-Werbungen. Die ganze Säule sieht aus wie ein Fettstift. Eigentlich ist das recht ausgefuchst und gefällt mir auch ganz gut. Das beworbene Produkt aber ist der Labello classic. Genau, der Blaue. Quer steht dann da: Jetzt neu! Da bin ich sprachlos. Ist das ein Oxymoron? Oder muss das in einem Wort stehen? Ist es vielleicht einfach nur komisch und falsch? Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

Prestigegewinn durch Gemüsekauf 

Gemüse kaufe ich bloß um damit anzugeben. Ehrlich. In öffentlichen Verkehrsmitteln fliegen einem Herzen zu, wenn aus dem Rucksack listig eine Stange Lauch hinausblinzelt – zuhauf. Oder im Supermarkt. Anerkennende Blicke von Kassiererin und Kundinnen, wenn zwischen Kaffeefiltern und HARIBO-Phantasia auch mal ein Blumenkohl oder ein Kohlrabi liegt. Neulich habe ich es aber übertrieben. Auf der Kantinenmittagskarte standen Wirsingrouladen, Käs’spätzle und ein Fischgericht. Sie ahnen es: Obwohl ich auf die Frage was denn Wirsing eigentlich sei, die eher niederschmetternde Antwort „faltiger Kohl“ bekam und angeekelte Gesichter erntete, schlug ich alle Warnungen in den Wind. Ich glaube was ich an der Kasse an Prestige gewonnen hatte, ging dann am Tisch flugs wieder den Bach herunter. In Zukunft werde ich wohl wieder Mohrrüben und Kopfsalat im Supermarkt kaufen und zu Hause im stillen Kämmerlein vergammeln lassen.

Ohrenschmaus 

Neulich erfuhr ich, dass Bewohner oberer Stockwerke keine große Angst vor Insekten haben müssen, da Insekten „mit den dortigen klimatischen Bedingungen“ (so oder so ähnlich war die Formulierung wohl) nicht zurecht kommen. Soweit ich mich erinnere war Druck die gewichtigste Bedingung. Vor meinem geistigen Auge erstand darauf folgender Satz: Die städtische Abendluft – vom dritten Stockwerk an aufwärts – war erfüllt vom ewig wiederkehrenden Klang platzender kleiner Insektentrommelfelle. Machen Sie sich auch Sorgen um mein Wohlergehen?

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